Was ist der EMA? Der exponentielle gleitende Durchschnitt ist schneller – aber was kostet das?

„Der EMA ist schneller, also besser?“

Stellt man beide auf 20 Kerzen, dreht der EMA (exponentieller gleitender Durchschnitt) meist früher als der SMA. Das stimmt, und der Grund ist einfach: Er gewichtet jüngere Kurse stärker. Doch „schnell“ ist nie umsonst. Dieser Artikel rechnet beide Durchschnitte einmal mit denselben Zahlen nach und zeigt dann an einem echten Chart mit den Markierungen 1234 (S&P 500, 2020), wo der Nutzen und wo der Preis des Tempos liegt.

Dieser Artikel gehört zur Reihe „Trading-Akademie · Lexikon der technischen Indikatoren“ von MASQuant. Alle Indikatoren sind nach Kategorien geordnet im Lexikon der technischen Indikatoren.

In einem Satz

EMA (exponentieller gleitender Durchschnitt) = ein gleitender Durchschnitt, in dem neuere Kurse schwerer zählen.

Er beantwortet dieselbe Frage wie der SMA: „Wo lag der Kurs zuletzt ungefähr, und wohin geht er?“ Nur achtet er stärker auf das, was gerade passiert ist.

Denken Sie an zwei Arten, eine Halbjahresnote zu berechnen. Der SMA ist „jede Prüfung zählt gleich“, der EMA ist „jüngere Prüfungen zählen mehr“. Lief es zuletzt gut, sieht die EMA-Note sofort gut aus; ging zuletzt eine Prüfung daneben, zeigt der EMA auch das sofort. Er reagiert schnell – und lässt sich auch leichter von einem einzelnen Ausrutscher mitreißen.

Einmal nachrechnen: dieselben Zahlen, zwei Durchschnitte

Mit denselben Schlusskursen wie im Artikel zum SMA, 10, 11, 12, 13, 14, 20, 15, 14 (das sind ausgedachte ganze Zahlen für das Beispiel, keine Marktdaten), berechnen wir SMA und EMA über 5 Kerzen.

Beim EMA über 5 Kerzen beträgt das Gewicht des neuen Kurses 2 ÷ (5 + 1) = ⅓. Die Rechnung lautet: EMA heute = Schlusskurs heute × ⅓ + EMA gestern × ⅔. Der erste EMA startet mit dem einfachen Durchschnitt der ersten 5 Kerzen.

Kerze Schlusskurs SMA(5) So wird EMA(5) berechnet EMA(5)
Kerze 5 14 12 Start: Durchschnitt der ersten 5 Kerzen 12
Kerze 6 20 14 20 × ⅓ + 12 × ⅔ 14,67
Kerze 7 15 14,8 15 × ⅓ + 14,67 × ⅔ 14,78
Kerze 8 14 15,2 14 × ⅓ + 14,78 × ⅔ 14,52
  • Kerze 6, der Kurs springt auf 20: Der EMA springt auf 14,67, der SMA erreicht nur 14. Der neue Kurs macht im EMA ein Drittel aus, im SMA nur ein Fünftel – deshalb folgt der EMA schneller.
  • Kerze 8, der Kurs ist schon zurückgefallen: Der EMA hat bereits nach unten gedreht (14,78 → 14,52), der SMA steigt noch (14,8 → 15,2). Daher kommt „der EMA dreht früher als der SMA“.

Umgekehrt gedacht: Spränge Kerze 9 plötzlich wieder auf 20, würde auch der EMA sofort mit nach oben gezogen, und seine gerade vollzogene Wende kehrte sich wieder um. Wer empfindlich auf neue Kurse reagiert, wird in einem Hin-und-her-Markt ständig durchgeschüttelt.

Die Formel

k = 2 ÷ (N + 1)
EMA heute = Schlusskurs heute × k + EMA gestern × (1 − k)

Mit dem gängigsten N = 20 ergibt sich k = 2 ÷ 21 ≈ 0,095. Im EMA20 macht der jüngste Schlusskurs etwa 9,5 % aus, der davor etwa 8,6 %, der davor etwa 7,8 % … je älter der Kurs, desto kleiner sein Gewicht, aber ganz verschwindet er nie. Im SMA20 zählt jede Kerze 5 %, und Kurse vor der 21. Kerze zählen überhaupt nicht.

Der erste EMA startet meist mit dem einfachen Durchschnitt der ersten N Kerzen, daher können die Werte im ersten Abschnitt je nach Startpunkt leicht abweichen. In MT5 ist der EMA der integrierte Indikator Moving Average; mit der Methode Exponential erhalten Sie den EMA.

Chart lesen: vor und nach dem Corona-Crash 2020, der Reihe nach 1234

Der Chart unten zeigt den S&P 500 (US500) im Tageschart von August 2019 bis März 2020, entnommen aus den historischen Kursen von MT5. Im Herbst 2019 lief er zunächst seitwärts, stieg dann durchgehend bis Mitte Februar 2020, und danach kam der pandemiebedingte Crash: vom Hoch bis zum 19. März ein Minus von 30,1 %.

S&P-500-Tageschart von August 2019 bis März 2020 mit EMA20 und SMA20; ① in der Seitwärtsphase kreuzt der Kurs den EMA öfter als den SMA, ② Schlusshoch am 17. Februar 2020, ③ die 4. Kerze nach dem Hoch schließt unter dem EMA20, ④ die 5. Kerze schließt unter dem SMA20
Abbildung: S&P 500 (US500) Tageschart, 7.8.2019–19.3.2020, historische Kurse aus MT5. Hohle Kerzen schlossen höher, gefüllte tiefer. Die orange Linie ist der EMA20, die violette der SMA20. Grauer Hintergrund markiert die Seitwärtsphase, hellorangefarbener den Trend. Die schwarze gestrichelte Linie markiert den höchsten Schlusskurs, die orange und die violette gestrichelte Linie die Stellen, an denen der Schlusskurs unter den EMA20 bzw. SMA20 fiel. Rechts der Kurs, unten das Datum; die Kreisziffern gehören zu den Erläuterungen unten.
1

Seitwärtsphase: Der EMA ist unruhiger. In der Seitwärtsphase von August bis Oktober 2019 kreuzte der Kurs den EMA20 6-mal, den SMA20 4-mal. Der EMA liegt enger am Kurs, deshalb schneidet der Kurs ihn schon beim kleinsten Wackeln; lautet Ihre Regel „beim Kreuzen ein- und aussteigen“, liefert der EMA auch mehr Fehlsignale.

2

17. Februar 2020: höchster Schlusskurs 3.388. Das ist das Schlusshoch in diesem Datensatz (Plattformen schneiden die Tageskerze unterschiedlich, das Datum des Hochs kann daher um einen Tag abweichen). Danach drehte der EMA20 mit der 3. Kerze nach unten, der SMA20 mit der 4.

3

Schluss unter dem EMA20: die 4. Kerze nach dem Hoch (21. Februar). Schlusskurs 3.340, nur 1,4 % unter dem Hoch.

4

Schluss unter dem SMA20: die 5. Kerze nach dem Hoch (24. Februar). Schlusskurs 3.227, bereits 4,8 % tiefer. Nur eine Kerze Unterschied, doch diese eine Kerze fiel an einem Tag um 3,4 %, und der Abstand ging auf. In diesem Abschnitt hat der EMA Sie eine Kerze früher gewarnt und Ihnen erspart, ein großes Stück zurückzugeben.

1 und 34 sind zwei Seiten derselben Sache: Der EMA liegt eng am Kurs und ist deshalb bei einer Wende einen Schritt früher dran (3); und weil er so eng anliegt, wird er in der Seitwärtsphase ständig durchkreuzt (1).

Dies ist ein echter Abschnitt historischer Kurse, der das Verhalten von EMA und SMA zeigen soll, keine allgemeine Regel. Mit einem anderen Instrument, einem anderen Zeitrahmen oder einem anderen Abschnitt ändern sich alle Zahlen. Auch wird nicht bei jedem Hoch der EMA zwingend früher unterschritten.

Was Sie sehen, was es bedeutet

Sie sehen Das bedeutet meist Aber Vorsicht
Der EMA hat schon gedreht, der SMA noch nicht Die letzten Kerzen werden schwächer (oder stärker) Vielleicht nur ein Wackeln von ein, zwei Kerzen, das ein paar Kerzen später wieder dreht
Der Kurs kreuzt den EMA hin und her Seitwärtsphase, der EMA wird durchgeschüttelt (wie 1 im Chart) Die meisten Kreuzungen sind hier Fehlsignale
Der Schlusskurs fällt unter den EMA, aber noch nicht unter den SMA Die erste Warnung, dass die kurze Frist schwächer wird (wie 3 im Chart) Sie kommt früher, liegt aber auch öfter falsch
Der EMA liegt über dem SMA, beide steigen Die jüngsten Kurse sind stärker als der Durchschnitt, eher bullisch So sieht oft auch das Ende eines Trends aus; wo das Hoch liegt, zeigt es nicht

So nutzen Sie ihn: drei Beispiele

Beispiel 1: Fürchten Sie mehr, „zu spät“ zu sein oder „ausgestoppt“ zu werden?

Wer fürchtet, zu spät auszusteigen und zu viel zurückzugeben, ist mit dem EMA besser bedient (3 im Chart kommt vor 4); wer fürchtet, in der Seitwärtsphase immer wieder abgewatscht zu werden, eher mit dem SMA oder einer längeren Periode (weniger Kreuzungen bei 1 im Chart). Es geht nicht darum, was richtiger ist, sondern welchen Fehler Sie eher hinnehmen können.

Beispiel 2: der lange für die Richtung, der kurze für Ein- und Ausstieg

Eine gängige Kombination: Mit einem langperiodischen Durchschnitt (etwa dem 60-Tage-SMA) entscheiden Sie, ob Sie nur long oder nur short handeln, mit einem kurzperiodischen EMA (etwa dem EMA20) wählen Sie den Zeitpunkt für Ein- und Ausstieg. Der lange sortiert Trades gegen den Trend aus, der kurze sorgt für schnelle Reaktion.

Beispiel 3: eine Bestätigung hinzufügen

Verlangen Sie zum Beispiel „zwei Schlusskurse in Folge auf derselben Seite des EMA“, bevor ein Signal zählt. Je mehr Bedingungen, desto weniger Fehlsignale – aber desto langsamer. Wieder ein Abwägen zwischen schnell und stabil.

Häufige Fehler

1. Den EMA für „genauer“ halten

Der EMA ist nur schneller, nicht genauer. Er meldet Ihnen etwas früher, dass der Kurs gedreht hat – und er meldet Ihnen auch etwas früher und öfter Wenden, die dann gar nicht stattfinden.

2. Die EMA-Periode sehr kurz wählen, um noch früher dran zu sein

EMA10 und EMA5 sind schneller, liegen aber auch noch enger am Kurs, sodass fast jede kleine Schwankung sie kreuzt. Treibt man das auf die Spitze, ist der gleitende Durchschnitt nur noch der Kurs selbst.

3. EMA und SMA mit derselben Zahl direkt vergleichen

EMA20 und SMA20 tragen beide die 20 im Namen, werden aber unterschiedlich berechnet und liegen im Chart an verschiedenen Stellen. Sagt jemand „der Kurs liegt über der 20-Tage-Linie“, klären Sie zuerst, welche gemeint ist.

Häufige Fragen

Was ist der EMA?

Der EMA (exponentieller gleitender Durchschnitt) ist ein gleitender Durchschnitt, der jüngere Kurse stärker gewichtet. Jeder neue Kurs wird mit k = 2 ÷ (N + 1) multipliziert und zum vorherigen EMA mal (1 − k) addiert. Im EMA20 etwa trägt der jüngste Kurs rund 9,5 % des Gewichts, im SMA20 jede Kerze 5 %.

Was ist besser, EMA oder SMA?

Absolut besser ist keiner. Der EMA dreht schneller und liegt näher am Kurs, wird in der Seitwärtsphase aber auch leichter gekreuzt; der SMA ist glatter und langsamer. Welcher zu Ihnen passt, hängt von Ihrem Instrument und Ihrer Handelsweise ab – am besten vergleichen Sie beide per Backtest.

Woher kommt der k-Wert des EMA?

k = 2 ÷ (N + 1) ist die gängigste Einstellung; sie sorgt dafür, dass ein EMA über N Kerzen ungefähr dasselbe Durchschnitts-„Alter“ hat wie ein SMA über N Kerzen. Je größer N, desto kleiner k, desto weniger zählt ein neuer Kurs und desto glatter ist der EMA. Bei N = 5 ist k zum Beispiel ⅓, bei N = 20 etwa 0,095.

Welche EMA-Perioden sind üblich?

Üblich sind 9, 12, 20, 26, 50 und 200. 12 und 26 sind die beiden EMAs, die der MACD standardmäßig verwendet; zu den Vor- und Nachteilen des MACD siehe Führt eine MACD-Divergenz immer zur Umkehr?

Fazit

Das Tempo des EMA ist echt: An einem Hoch dreht er früher und wird früher unterschritten als der SMA. Die Unruhe des EMA ist auch echt: In der Seitwärtsphase kreuzt der Kurs ihn öfter als den SMA. Beides kommt aus derselben Gewichtung, und Sie können nicht nur die eine Hälfte haben.

Die eigentliche Frage lautet also: Reicht bei Ihrem Instrument das, was Sie durch einen früheren Ausstieg sparen, um die zusätzlichen Male zu bezahlen, die Sie in der Seitwärtsphase ausgestoppt werden? Ein einzelner Abschnitt historischer Kurse kann das nicht beantworten – prüfen Sie es mit einem Backtest in unserem AI Strategy Assistant, dann wissen Sie es.

Formulieren Sie die Bedingung als einen Satz, zum Beispiel „einsteigen, wenn der Kurs über dem EMA20 schließt, aussteigen, wenn er darunter schließt“, geben Sie ihn dem AI Strategy Assistant von MASQuant und starten Sie per Klick den Backtest. Die Backtest-Umgebung berücksichtigt reale Marktfriktionen wie Spreads, Slippage, Veränderungen der Marktliquidität und Ausführungsverzögerungen (zur Bedienung siehe die Anleitung zum AI Strategy Assistant). Tauschen Sie dann den EMA gegen den SMA und lassen Sie ihn noch einmal laufen – der Vergleich zeigt es Ihnen. Ein Backtest sagt Ihnen, „wie diese Regel unter vergangenen Marktbedingungen abgeschnitten hat“, nicht, was die Zukunft bringt.

Eine Idee wird erst durch Überprüfung zur Strategie.

Der Kurschart in diesem Artikel stammt aus den historischen Kursen der Plattform MT5 (Tageschart; Kurse und Schnittzeit der Tageskerze unterscheiden sich zwischen Plattformen leicht, sodass die Werte nicht genau übereinstimmen müssen), die Indikatoren hat ein Programm nach den Standardformeln berechnet; die ganzen Zahlen im Beispiel sind keine Marktdaten. Historische Kurse dienen nur dazu, das Verhalten des Indikators zu zeigen, und stehen nicht für künftige Kursbewegungen.

Risikohinweis: CFDs sind Finanzprodukte mit hohem Risiko und können zu einem schnellen Kapitalverlust führen. Vergangene Wertentwicklungen sind keine Garantie für künftige Ergebnisse; alle Strategien und Backtests dienen nur als Referenz und stellen keine Anlageberatung dar. Bitte lesen Sie vor dem Handel unsere Risikohinweise sorgfältig.

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