Wie setzt man einen Stop-Loss? Es geht nicht darum, wie viel Sie zu verlieren bereit sind, sondern wo Sie falschliegen

„Wie viele Punkte sollte mein Stop-Loss haben?“

Diese Frage stellen Einsteiger sehr häufig, und die übliche Antwort ist eine Zahl: 20 Punkte, 30 Punkte, ein paar Prozent des Kontos.

Doch die Frage ist falsch gestellt. Beim Stop-Loss geht es zunächst nicht um das „Wie viel“, sondern um das „Wo“.

Dies ist Teil vier der Serie „Trading-Akademie · Praxiswissen für Einsteiger“ von MASQuant. In Teil zwei haben wir die Lotgröße aus dem Stop-Loss-Abstand abgeleitet, doch dieser Abstand war dort einfach als Annahme vorgegeben. Dieser Teil ergänzt den Schritt davor: wie man den Stop-Loss-Abstand festlegt.

Kurz gesagt

Beim Stop-Loss geht es nicht darum, wie viel Sie zu verlieren bereit sind, sondern darum, wo Sie falschliegen.
Legen Sie zuerst die Platzierung fest, dann die Lotgröße.

Zwei verbreitete Arten, den Stop-Loss zu setzen – beide in der falschen Reihenfolge

1. Nach Gewohnheit: „Ich setze immer 20 Punkte“

Egal bei welchem Instrument, egal ob der Markt ruhig oder turbulent ist: Der Stop-Loss beträgt immer 20 Punkte. Doch dieselben 20 Punkte können in einem ruhigen Markt schon weit entfernt sein, in einem turbulenten Markt dagegen nur die normale Schwankung einer einzigen Kerze.

2. Nach dem Geldbeutel: Erst wird die Lotgröße festgelegt, und der Stop-Loss liegt dort, wo der Verlust nicht mehr zu ertragen ist

Ein so gesetzter Stop-Loss wird von der Kontogröße bestimmt, nicht vom Markt – gleicher Chart, gleicher Einstieg, und doch richtet sich der Stop-Loss nach dem Geldbeutel.

Noch extremer ist es, gar keinen Stop-Loss zu setzen und zu denken: „Höchstens verliere ich meine Margin.“ Im vorigen Teil haben wir erklärt: Die Margin ist kein Stop-Loss.

Beiden Vorgehensweisen ist gemeinsam: Die Platzierung des Stop-Loss hat nichts mit dem Grund für diesen Trade zu tun.

Der Markt kennt Ihre Gewohnheiten nicht und weiß auch nicht, wie viel Verlust Sie verkraften können.

Denken Sie an ein Fieberthermometer: Normale Schwankung ist keine Krankheit

Die normale Körpertemperatur schwankt von Natur aus ein wenig auf und ab. Stellen Sie den Fieberalarm auf 36,8 Grad, geht er ständig los – obwohl Sie nicht krank sind.

Schematische Darstellung eines Thermometers: Die normale Körpertemperatur schwankt von Natur aus innerhalb eines Bereichs; stellt man den Alarm auf 36,8 Grad, geht er ständig los

Beim Kurs ist es genauso: Er schwankt von Natur aus. Liegt der Stop-Loss innerhalb der normalen Schwankungsbreite, reicht ein kurzes Wackeln des Kurses, und Sie werden aus dem Trade geworfen – manchmal läuft der Kurs danach doch in die Richtung, die Sie ursprünglich erwartet hatten.

Sie lagen nicht falsch, Sie wurden vom Marktrauschen ausgestoppt.

Ein Alarm ist nur dann nützlich, wenn gilt: „Schlägt er an, stimmt wirklich etwas nicht.“ Beim Stop-Loss ist es genauso: Wird er ausgelöst, sollte das bedeuten, dass Sie falschlagen – und nicht, dass der Markt nur geniest hat.

So setzt man den Stop-Loss: Platzierung → Abstand → Lotgröße

Schritt 1: Stellen Sie sich die Frage „Ab welchem Kurs liege ich falsch?“

Ein Beispiel: Sie kaufen oberhalb des vorherigen Swing-Tiefs, weil Sie davon ausgehen, dass dieses Tief hält, also als sogenannte Unterstützung wirkt.

Fällt der Kurs unter dieses Tief, ist Ihr Grund hinfällig. Der Stop-Loss kommt dann ein Stück unter das Tief.

Grund für den Einstieg: Das vorherige Swing-Tief hält
Grund hinfällig: Der Kurs fällt unter das vorherige Swing-Tief
Platzierung des Stop-Loss: ein Stück unter dem vorherigen Swing-Tief

Kommt der Kurs zurück und berührt das Tief nur kurz, ist das noch kein Bruch. Der kleine Spielraum sorgt dafür, dass Sie erst aussteigen, wenn der „Bruch“ tatsächlich eintritt.

Bei einer Short-Position ist es umgekehrt: Sie verkaufen unterhalb des vorherigen Swing-Hochs, weil Sie davon ausgehen, dass dieses Hoch als Widerstand hält. Bricht der Kurs über das Hoch aus, ist der Grund hinfällig; der Stop-Loss kommt also ein Stück über das Hoch.

Ihr Grund für den Einstieg kann auch ein gleitender Durchschnitt, eine Seitwärtsrange oder eine andere Methode sein. Die Frage bleibt aber dieselbe: Unter welchen Umständen gilt er nicht mehr? Können Sie das nicht beantworten, liegt das Problem nicht beim Stop-Loss, sondern beim Grund für den Einstieg selbst.

Schritt 2: Prüfen Sie, ob dieser Abstand größer ist als die übliche Schwankung

Der Abstand vom Einstiegskurs zum Stop-Loss muss größer sein als die übliche Schwankung des Kurses, damit Sie nicht vom normalen Marktrauschen ausgestoppt werden.

Eine gängige Methode, um zu messen, wie stark der Kurs üblicherweise schwankt, ist die ATR (Average True Range, durchschnittliche wahre Schwankungsbreite), die von J. Welles Wilder eingeführt wurde. Einfach gesagt zeigt sie, wie stark jede Kerze in letzter Zeit im Durchschnitt geschwankt hat:

True Range (TR) = Hoch − Tief dieser Kerze
                  (gibt es zum Schlusskurs der vorherigen Kerze eine Kurslücke, zählt sie mit)
ATR = Durchschnitt der TR der letzten N Kerzen (übliche Voreinstellung: N = 14)

Ist der Stop-Loss-Abstand kleiner als die ATR, kann ihn schon die übliche Schwankung einer einzigen Kerze erreichen – er wird dann leicht ausgelöst. Deshalb legen viele Trader fest, dass der Stop-Loss-Abstand mindestens ein bestimmtes Vielfaches der ATR betragen muss.

Aber für das Vielfache gibt es keine allgemeingültige Antwort. Ob 1 × ATR, 1,5 × ATR oder 2 × ATR, hängt vom Instrument, von der Zeiteinheit und vom Handelsstil ab. Das müssen Sie selbst testen und entscheiden – es ist eine Wahl, keine Regel. Außerdem richtet sich die ATR nach der Zeiteinheit: Auf dem 5-Minuten-Chart und auf dem Tageschart kann sie sehr unterschiedlich ausfallen. Messen Sie sie in der Zeiteinheit, die zu Ihrer geplanten Haltedauer passt.

Liegt die Stelle, die Sie anhand der Marktstruktur gefunden haben, innerhalb der normalen Schwankung, haben Sie zwei Möglichkeiten: eine weiter entfernte Stelle in der Marktstruktur wählen oder den Trade auslassen – nicht aber so tun, als hätten Sie es nicht gesehen.

Schritt 3: Legen Sie erst ganz zum Schluss die Lotgröße fest

Erst wenn die Platzierung feststeht und der Abstand geprüft ist, ist die Lotgröße an der Reihe. Die Formel haben wir in Teil zwei aufgeschlüsselt, im Artikel Wie berechnet man die Lotgröße?:

Lotgröße = tragbarer Verlust ÷ (Stop-Loss-Abstand × Tickwert)

Hier kommt es nur auf eines an: Ändert sich der Stop-Loss-Abstand, muss sich auch die Lotgröße ändern.

Ein Beispiel mit leicht zu rechnenden Zahlen (runde Beispielzahlen, keine Marktdaten): Bisher haben Sie aus Gewohnheit einen Stop-Loss von 20 Punkten gesetzt und 1 Lot gehandelt; nach dem Einstiegsgrund gesetzt, liegt der Stop-Loss 40 Punkte entfernt. Bei doppeltem Abstand halbieren Sie die Lotgröße und handeln 0,5 Lot:

Vorgehen Stop-Loss-Abstand Lotgröße Maximaler Verlust (relativer Wert)
Nach Gewohnheit 20 Punkte 1 Lot 20 × 1 = 20
Nach dem Einstiegsgrund 40 Punkte 0,5 Lot 40 × 0,5 = 20

Beim selben Instrument entspricht jeder Punkt demselben Betrag, deshalb genügt es, „Abstand × Lotgröße“ direkt zu vergleichen. Der maximale Verlust ist exakt derselbe.

Schematische Darstellung desselben Kursverlaufs: Nach dem Kauf liegt ein Stop-Loss von 20 Punkten innerhalb der üblichen Schwankung, und der Trade wird vom Marktrauschen ausgestoppt; der nach dem Einstiegsgrund unter das vorherige Swing-Tief gesetzte Stop-Loss von 40 Punkten wird nicht erreicht

Der Unterschied ist:

Sie steigen nur dann aus, wenn Sie wirklich falschliegen.

Der Preis dafür: Bei derselben Kursbewegung halbieren sich auch Gewinn und Verlust. Das ist eine Abwägung – wie viel Sie pro Trade riskieren, entscheiden Sie selbst. Außerdem ist nicht gewährleistet, dass ein Stop-Loss genau zum eingestellten Preis ausgeführt wird: Bei Kurslücken oder schnellen Marktbewegungen kann es zu Slippage (Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungspreis) kommen; der tatsächliche Verlust fällt dann größer aus als berechnet.

Häufige Fehler

1. Sobald der Trade im Minus ist, den Stop-Loss weiter weg verschieben

„Ich gebe ihm noch etwas mehr Spielraum“ – damit ändern Sie nachträglich die Definition dessen, was „falschliegen“ bedeutet. Die Lotgröße wurde mit dem ursprünglichen Stop-Loss-Abstand berechnet; verschieben Sie den Stop-Loss weiter weg, gibt es den Höchstverlust, den Sie vorab festgelegt hatten, nicht mehr. Eine Anpassung, die das Risiko verringert, ist etwas anderes.

2. Den Stop-Loss genau auf das offensichtlichste Niveau setzen

Genau auf eine runde Kursmarke, genau auf das Tief selbst. Diese Niveaus sieht jeder, und auch die Stop-Loss-Orders anderer Trader können sich in der Nähe häufen; eine kurze Berührung kann dann eine ganze Reihe davon auslösen. Deshalb heißt es „ein Stück unter dem Tief“. Wie groß dieses „Stück“ ist, richtet sich nach der normalen Schwankung aus Schritt 2 – greifen Sie nicht einfach irgendeine Zahl aus der Luft.

3. Einen zu weit entfernten Stop-Loss einfach näher heranziehen

Der nach der Marktstruktur gesetzte Stop-Loss liegt weit entfernt; die berechnete Lotgröße ist so klein, dass sich der Trade nicht lohnt, oder sogar kleiner als das Mindestvolumen der Plattform. Ziehen Sie den Stop-Loss dann näher heran, liegt er wieder innerhalb der normalen Schwankung.

Nach der Logik dieses Artikels lautet die Antwort: Lassen Sie diesen Trade aus. Wenn die berechnete Lotgröße kleiner ist als das Mindestvolumen und Sie trotzdem das Minimum handeln, riskieren Sie mehr, als Sie vorab festgelegt haben.

Häufige Fragen

Wie setzt man einen Stop-Loss richtig?

Bestimmen Sie zuerst die Stelle, die die Frage „Ab welchem Kurs liege ich falsch?“ beantwortet. Prüfen Sie dann, ob der Abstand vom Einstiegskurs bis dorthin größer ist als die normale Schwankung. Erst zum Schluss leiten Sie aus dem Stop-Loss-Abstand die Lotgröße ab. Die Reihenfolge lautet: Platzierung → Abstand → Lotgröße.

Wie viele Punkte sollte der Stop-Loss haben?

Es gibt keine feste Punktzahl. Die Punktzahl ist ein Ergebnis, kein Ausgangspunkt – sie ergibt sich als Abstand bis zur „Stelle, an der Sie falschliegen“. Dieselben 20 Punkte bedeuten bei unterschiedlichen Instrumenten, Zeiteinheiten und Marktphasen etwas völlig anderes.

Was heißt „vom Marktrauschen ausgestoppt werden“?

Der Stop-Loss liegt innerhalb der normalen Schwankungsbreite des Kurses. Schon eine gewöhnliche Schwankung erreicht ihn, und danach läuft der Kurs doch in die Richtung, die Sie ursprünglich erwartet hatten. Das heißt nicht zwingend, dass Ihre Einschätzung falsch war – der Stop-Loss lag schlicht zu nah.

Was ist die ATR? Welches Vielfache der ATR sollte der Stop-Loss-Abstand betragen?

Die ATR (Average True Range, durchschnittliche wahre Schwankungsbreite) wurde von J. Welles Wilder eingeführt und misst, wie stark die Kerzen eines Zeitraums im Durchschnitt schwanken. Sie wird häufig genutzt, um abzuschätzen, wie groß die „normale Schwankung“ ist. Für das Vielfache gibt es keine allgemeingültige Antwort: Es hängt von Instrument, Zeiteinheit und Handelsstil ab. Sie sollten es selbst testen und festlegen – es ist keine feste Regel.

Wird der Verlust nicht größer, wenn ich den Stop-Loss weiter weg setze?

Nicht, wenn Sie die Lotgröße entsprechend anpassen. Verdoppeln Sie den Stop-Loss-Abstand und halbieren Sie die Lotgröße, bleibt der Höchstverlust gleich. Der Preis dafür: Bei derselben Kursbewegung halbieren sich auch Gewinn und Verlust. Voraussetzung ist, dass der Stop-Loss zum eingestellten Preis ausgeführt wird – bei Kurslücken kann es zu Slippage kommen, und der tatsächliche Verlust fällt dann größer aus.

Fazit

In Teil eins ging es darum, zuerst die Kontraktspezifikation zu prüfen, in Teil zwei darum, zuerst die Lotgröße zu berechnen, und Teil drei hat gezeigt, dass die Margin kein Stop-Loss ist. Dieser Teil ergänzt den Schritt vor der Berechnung der Lotgröße: wohin der Stop-Loss gehört.

Wie viel Geld Sie verlieren, bestimmen Stop-Loss-Abstand und Lotgröße zusammen; die Platzierung des Stop-Loss selbst beantwortet nur eine Frage: wo Sie falschliegen.

Legen Sie zuerst die Platzierung fest, dann die Lotgröße.

Risikohinweis: CFDs sind Finanzprodukte mit hohem Risiko und können zu schnellen Kapitalverlusten führen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Alle Strategien und Backtests dienen nur als Referenz und stellen keine Anlageberatung dar. Bitte machen Sie sich vor dem Handel gründlich mit unseren Risikohinweisen vertraut.

Weiterführende Artikel:

Comments

Kommentar schreiben